Interview mit Uwe Kohler: Im Go Four It entsteht ein architektonisches Unikat

In München entsteht das Business-Quartier Go Four It mit vier Gebäuden und einem verbindenden Boulevard. Für den Single-Tenant-Mieter DMG MORI im Gebäude Go Four Red wird ein 1.500 Quadratmeter großer Showroom errichtet – ein architektonisches Unikat. Uwe Kohler, Geschäftsführer der S.E.T. Service GmbH, einer Tochtergesellschaft der RH Unternehmensgruppe, ist als Projektleiter Bau für die Realisierung des Go Four It verantwortlich.

Die Bedingung von DMG MORI an sein europäisches Headquarter war die Etablierung eines Showrooms in einem klassischen Bürogebäude. Mit welchen Herausforderungen waren Sie konfrontiert?
Uwe Kohler: DMG MORI benötigt einen Showroom, der mindestens acht Meter hoch ist und mehrere bis zu 30 Tonnen schwere Werkzeugmaschinen beherbergen kann. Diese müssen per LKW in die Halle gefahren und abgeladen werden und sollen schließlich vor Ort voll einsatzfähig sein, ohne dass der Bürobetrieb im Gebäude beeinträchtigt ist. Als das Unternehmen mit seiner Mietanfrage an uns herangetreten ist, war das gesamte Projekt Go Four It bereits von der Stadt München genehmigt. Damit haben wir entscheidende Rahmendaten, die es einzuhalten gilt. Beispielsweise darf die absolute Gebäudehöhe nicht überschritten werden, ebenso muss die Unterkellerung mit zwei Tiefgeschossen realisiert werden, um die notwendigen Parkplätze bereitstellen zu können.

Wie haben Sie sich der Planung genähert?
Uwe Kohler: Die größten Herausforderungen waren natürlich die enormen Lasten, die der zweigeschossige Showroom tragen muss bei zugleich sehr hoch anstehendem Grundwasser auf dem Grundstück, sowie die Schall- und Vibrationsentkopplung vom Rest des Gebäudes. Wir mussten unsere Planung unter den ganz speziellen Vorgaben komplett neu denken. Gemeinsam mit unseren Tragwerksplanern, Architekten, Designern, ausführenden Bauunternehmen und DMG MORI haben wir viele unkonventionelle, innovative, vielleicht auch verrückte Ideen durchgespielt, haben kontrovers diskutiert, uns über Analysen, Untersuchungen, Berechnungen Stück für Stück herangetastet – bis wir schließlich eine machbare Lösung fanden.

Wie sieht diese bauliche Lösung aus?
Uwe Kohler: Zunächst haben wir auf der gesamten Grundfläche des Go Four Red spezielle GEWI-Pfähle in die Baugrube eingetrieben, die für eine zuverlässige Kraftübertragung und Stabilität sorgen, langfristig gegen Auftrieb sichern und vor Korrosion schützen. Die Bodenplatte, die das Gewicht des gesamten Gebäudes trägt, ist bis zu einem Meter dick. Im Hochbau behandeln wir den Showroom als eigenständiges Bauwerk, das konstruktiv vom Rest des Gebäudes vollständig entkoppelt ist. Hierfür werden wir in die reguläre, konventionell gebaute Kellerdecke, die den Erdgeschossboden bildet und die eigentliche Traglast übernimmt, eine zweite Bodenplatte einsetzen. Diese ist auf einer elastischen Entkopplungsmatte gelagert, schwimmt quasi in der Kellerdecke ohne mit ihr direkt verbunden zu sein, und aus Spezialbeton gefertigt. Dadurch wird das Hineintragen von Geräuschen und Vibrationen in das Bauwerk verhindert. Und schließlich nutzen wir auf den über dem Showroom liegenden Geschossen eine hybride Deckenkonstruktion: Wir nutzen Holorib-Verbunddecken, eine Kombination aus verzinktem Stahl mit Beton, die eine höhere Stabilität bei zugleich geringerer Deckenstärke als bei der klassischen Stahlbeton-Bauweise garantiert. Weil das Erdgeschoss und das erste Obergeschoss mit dem Showroom nun höher sind als in unserer Ursprungsplanung, wir aber die Raumhöhe der weiteren Obergeschosse zwingend beibehalten wollen, sparen wir über die Hybriddeckenkonstruktion deutlich ein, sodass wir die genehmigte Gesamthöhe des Gebäudes nicht überschreiten.